Gleich vorab, die Mahlzeiten für den ganzen Monat im Voraus zu planen, das funktioniert für mich nicht. In der dritten Woche habe ich plötzlich Fressanfälle bekommen. Bei mir ein Zeichen, dass ich zu wenig Protein zu mir nehme. Seltsamerweise habe ich dann aber nicht Appetit auf Fleisch, sondern auf Nudeln, Kartoffeln und natürlich Schokolade. Also Dinge, die die Proteinzufuhr nicht erhöhen, sondern den Teufelskreis noch zusätzlich verstärken. Zwei Tage gab es dann halt sehr proteinlastige Gerichte (Magerquark zum Frühstück, Salat wahlweise mit Thunfisch und Ei oder gebratenem Hähnchen und Brokkoli, Wirsingeintopf und als Beilage Ribeye-Steak ...) und dann war es auch wieder gut.
Auch habe ich festgestellt, dass ich mich bei der Portionsgröße oft verschätze. Manchmal war es zuviel und es ist eine Portion mehr dabei rausgekommen, manchmal waren die Portionen zu klein.
Das hat mich zu der Einsicht geführt, dass ich meine Mahlzeiten kurzfristiger planen sollte, um flexibler auf aktuelle Anforderungen reagieren zu können. BEEN THERE, DONE THAT! Also wieder zurück zum wöchentlichen Mahlzeitenplan, der Dinnerlist.
Die Dinnerlist habe ich in meiner Zeit als Au-Pair in London kennen und schätzen gelernt. Am Wochenende legt man für jeden Tag der kommenden Woche ein Gericht fest. Da die Kinder und die Eltern unter der Woche entweder in der Schule oder in der Arbeit gegessen haben, musste nur für das Abendessen (Dinner) sowie für's Mittagessen am Wochendende gesorgt werden. Am Sonntag Abend gab es immer DIY (Do-It-Yourself, jeder musste sich selbst was suchen) oder Leftovers ("Reste"). Waren die Gerichte festgelegt, wurde überprüft, ob die dafür nötigen Zutaten noch im Haus sind. Die fehlenden Zutaten wurden auf die Shopping-List gesetzt, die bereits in verschiedene Kategorien unterteilt war: Milchprodukte, Fleisch, Tiefkühl, Obst / Gemüse, Putzmittel, Diverses. Dann wurde die Shopping-List aufgeteilt, drei Waschkörbe und diverse Taschen in's Auto gepackt und die ganze Familie ist zum Supermarkt gefahren. Dort sind wir dann mit drei Einkaufswägen und den Waschkörben "bewaffnet" den Supermarkt abgefahren und haben alles eingesammelt, gezahlt, alles in's Auto gepackt, sind wieder heim gefahren und haben alles ausgepackt und verstaut.
Ich hab' so etwas bis dahin noch nie erlebt! Ich war 19 Jahre alt und auf dem Land in Bayern aufgewachsen. Im Sommer haben meine Eltern ein riesiges Gemüsebeet angelegt und teilweise noch ein paar Riesle im Kartoffelacker eines Nachbarn mit Buschbohnen, Zwiebeln, Kraut etc. bepflanzt. Im Sommer und Herbst wurde Marmelade gekocht, Gemüse und Obst eingeweckt, Zwiebel getrocknet, Äpfel eingelagert und Sauerkraut eingestampft. Gekocht wurde dann zu 90% mit dem was im Keller und der Speisekammer war. Gekauft wurden hauptsächlich Mehl, Zucker, Nudeln, Gewürze, Milchprodukte, Wurst und Fleisch.
Dass man seine Mahlzeiten nach Herzenslust festlegen konnte (Lachs! Hähnchen!Tomaten im Winter! ...) und alles dafür Notwendige einkauft, war eine total neue Lebensweise für mich.
Die Dinnerlist habe ich übernommen als ich zum Studium ausgezogen bin. Zum Einen lässt sich mit der Dinnerlist die Woche wunderbar durchorganisieren und zum Anderen habe ich festgestellt, dass sich damit auch neue Rezepte super integrieren lassen. So habe ich eher daran gedacht etwas Neues auszuprobieren, wenn es schon auf der Dinnerlist stand. Da kommt übrigens auch das Rezept für die gegrillten Rote Beete aus dem Ofen her. Das war ein Rezept in der New York Times, das nun schon seit Jahren wiederholt wird und mein spärliches Repetoire für Rote Beete erweitert hat. Es ist auch immer eine Offenbarung für Gäste "So gut haben mir Rote Beete noch nie geschmeckt!".
Zur Dinnerlist für diese Woche. Was brauche ich damit auf? Die Zwiebel hatten schon angefangen auszutreiben. Daher nun ein Zwiebelkuchen. Ich werde nur den halben essen können. Also wird die andere Hälfte eingefroren. Im Gefrierschrank ist ja jetzt wieder Platz 😁. Die Spareribs waren noch im Gefrierschrank und Linsen hab' eh immer in Großpackungen da. Hamsterkäufe aus dem türkischen Supermarkt! Die Rote Rüben waren noch im Hochbeet der Eltern. Da es im Februar oft nochmal richtig kalt wird, war es jetzt höchste Zeit sie zu ernten und zu verarbeiten.
Im Kühlschrank ist noch ein Viertel Wirsing und Vollkornnudeln liegen noch in der Speisekammer rum. Die Zusammenstellungen sind ein wenig exotisch, aber mein Fokus war diese Woche auf der Proteinzufuhr.
Übrigens, die Zeit ist auch auf dem Land nicht stehen geblieben und es wurden zum Beispiel dann auch Zucchini und Quash angebaut und die neue Vollwertkost aus dem Reformhaus (voll der Hype damals!) ausprobiert. Da aber keiner so eine richtige Ahnung hatte, wie man diese neue Gemüsesorten oder Tofu zubereitet, war das am Anfang echt abenteuerlich! Schon mal eine Zucchini- oder Quash-Pizza gegessen? Also nicht ein paar dünne Scheibchen, sondern dick belegt mit einer ganzen, ausgewachsenen Zucchini in zentimterdicken Streifen. Kein Wunder, dass ich als Kind immer schlank war. Ich hab' nur soviel gegessen bis der Hunger ansatzweise gestillt war. Und dann war ich weg vom Tisch und auch beim Abendessen war ich unauffindbar. Da hat es nämlich die Reste vom Mittag wieder gegeben!
Bis ich 24 Jahre alt war, hab ich keinen Kalbskäs gegessen (für alle Nichtbayern: die weiße Version des Leberkäs), da ich als Kind einen lauwarmen Block Tofu als Kalbskäs vorgesetzt bekommen habe (also, nur aufgewärmt. Nicht angebraten,nicht gewürzt.).
Hier nochmal meinen herzlichen Dank an Barbara Rütting. Das Kochbuch hat uns Kinder gerettet. Denn da gab' es essbare Rezepte für die neuen Lebensmittel. Die Korsische Tomatensauce mach ich immer noch. Und es gibt sie immer noch zu Spätzle, so wie von Mama gelernt. 😁
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